What never can be blotted from my mind!

Felix Werner im Namen der Redaktion

Am 09. April 2016, einem außergewöhnlich geschichtsträchtigem Datum, verstarb der allseits beliebte und geachtete namibische Autor und Jäger Giselher Werner Hoffmann im Alter von 58 Jahren in Swakopmund. Da sein Tod einen großen Verlust für die literarische Gemeinschaft des Landes darstellt, sind ihm diese Zeilen gewidmet.

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Zwiegespräch in der Wüste von Hermann Korn Oder – Die andere Hälfte vom Ganzen

Barbara Kahler

Eines der zahlreichen Themen des vorigen Felsgraffiti-Heftes behandelte Henno Martins Namibia-Dauerbestseller Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, in dem der Verfasser die von 1940-42 währende Wüstenrobinsonade mit seinem Studienfreund Hermann Korn am Kuiseb beschreibt. Doch so erstaunlich und faszinierend diese Geschichte auch ist, sie erzählt nur einen Ausschnitt aus dem Leben der beiden Akteure. Und wie es bei Berichten geschehen kann welche die Phantasie anregen, ein wenig Neugier bleibt und man möchte gerne erfahren, wie es denn den Protagonisten weiter ergangen ist.
Für Henno Martin ist es recht einfach zu beantworten, er ist schließlich der Autor. Nach etwa zwanzigjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Geologe in Südwest-Afrika hatte er eine Professur in Deutschland angetreten und ist 1998 verstorben.
Über Hermann Korn erfährt man nur im Nachwort, dass dieser bereits zwei Jahre später bei einem Unfall in Windhoek starb, als sein Auto von einer Eisenbahnbrücke stürzte.

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Nie wieder Montags

Nadine Gaerdes

Ich bin neu in der Stadt. In meinem kleinen Dachzimmer befindet sich auf der Fensterbank ein Aschenbecher, der mit seinem Standort seine Existenz entschuldigen will. Nein, Rauchen am Fenster ist nicht gesünder; aber Rauchen bringt mir die besten Gedanken. Auch heute will das Gedicht seine Perfektion erst nach dem letzten Zug der Zigarette erreichen.

Melanie winkt mir wild von unten zu, hüpft im Regen auf und ab wie ein Kind. Sie benutzt nie einen Regenschirm. Er nehme ihr die Sicht auf die frische Welt, sagt sie. Lieber ordne sie ihre Haare zuhause neu. Und Klamotten zum Wechseln habe sie genug.

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Das Begräbnis des Alten Austin

Ingrid Kubisch

Dieser Kameldornwald ist ideal für ein Grab, finden Sie nicht? Himmlische Ruhe trotz der Ko-ko-ko Rufe der Tokos. Oma zufolge sind Tiergeräusche, sofern sie nicht Jagd oder Flucht betreffen, Teil von der Stille. Niedlich, wie die Vögel auf dem Grabhügel herumhopsen, sie suchen nach Würmern und Insekten. Der Alte Austin soll wohl richtig tief in die Erde versenkt werden, nach der Höhe des Erdhügels zu schließen.

Vielen Dank auch, dass Sie mich begleiten. Ich schulde es Oma, der Beerdigung ihres alten Freundes beizuwohnen. Wir verkürzen uns die Wartezeit, indem ich Ihnen vom Alten Austin erzähle. Setzen wir uns hier auf die aufgereihten Heuballen. Gut, dass sie Wolldecken darübergelegt haben, das trockene Gras pikst nämlich gemein.

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Eiskalt

Sylvia Schlettwein

„Weiß man, warum sie bei uns ist?“ Ruben Januarie fuhr mit dem Zeigefinger über die Plakette auf dem Dewar-Gefäß, das zum Öffnen und für den Transfer des Kopfes in den Reanimations-Kasten bereit stand. Eva Silberburg 2030, *2005.
„Nö, wieso?“
„Guck doch mal auf das Datum, Alfred. Sie wurde 2030 suspendiert, 2005 geboren. Damals hatten die alle noch einen Grund. Krankheit, Demenz, Angst vorm Tod, manchmal Angst vorm Leben, also Depressionen oder Verfolgungswahn oder sind mit irgendwas nicht fertig geworden und haben gehofft, dass sie dann bei uns eine Chance auf ein Leben ohne Krankheit, Verlust, Angst, Konflikt kriegen. Heute hat man einen Grund, wenn man NICHT hier landet. Ich habe so eine Kusine, noch aus meinem ersten Lebenszyklus. Kristina, die ist echtzeitliche 70 Jahre alt und bei den Naturalisten, und will sterben und begraben werden auf dem alten Friedhof in Rehoboth. Da haben die doch eine Kommune, in Rehoboth, und in Omaruru ist auch eine. Und hier in der Nähe von Swakopmund, bei der alten Khan-Mine, sind auch noch welche. Die Touristen aus Amerika gehen da immer hin, um sich die alten Leute mit echten Falten und grauen Haaren anzugucken. Das ist wie im Museum, sagen die. Für den Besuch auf der Pflegestation für Kranke und Alte zahlt man anscheinend richtig viel Geld.“

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Das Gespräch: Tony Figueira

geführt von Heiko Denker

Tony Figueira, bekannt durch seine Fotografie und seine journalistische Arbeit während der denkwürdigen Tage um die Unabhängigkeit Namibias, doch da ist viel mehr. Geschäftsmann, Autoschlosser, Lackierer, Lehrer, Ehemann, Vater, Freund, um nur ein paar „Eigenschaften“ zu nennen. Heiko Denker hat sich für Felsgraffiti mit Tony getroffen und sich mit ihm über sein Leben und Schaffen unterhalten. Sie haben sich so gut unterhalten, dass die Übergänge zwischen „du“ und „Sie“ irgendwann fließend waren.

HD: Tony, Sie sind als Journalist und Fotograf bekannt, doch einige Jahre lang haben Sie eine Reparatur- und Panelbeater-Werkstatt geleitet, wo ist da der Zusammenhang?

TF: Ich habe Journalistik und Medienwissenschaft an der Rhodes University in Grahamstown, Südafrika studiert. Als ich nach dem Studium zurück nach Namibia kam, stand der Wehrdienst an, es war Pflicht. Wie damals so üblich hatte ich seit dem 16. Lebensjahr die Aufforderung zum Ableisten meines Wehrdienstes bekommen, durch Schule und dann Studium konnte ich natürlich immer die Freistellung erhalten. Jetzt aber wurde es ernst.

Ich war total dagegen, wie konnte ich als ein Kind aus Angola gegen Angolaner kämpfen? Außerdem war ich der Meinung, dass Südafrika nicht der ‚rechtmäßige Eigentümer‘ des Landes war. Also sagte ich mir: „Auf keinen Fall werde ich zur Armee gehen!“

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