Wer ist der Größte?

Zum 450. Geburtstag von William Shakespeare
Dieter Esslinger

Schriftsteller und Dichter sind nationale Persönlichkeiten. Sie schreiben in der Sprache ihrer Heimat und werden von ihren Mitbewohnern als nationalen Besitz gesehen, anders als Musiker und Maler, die nicht an eine nationale Identität, sondern an Stile gebunden sind, die auch in anderen Ländern beheimatet sind. Die Frage, wer der größte Schriftsteller oder Dichter ist, greift das Nationalbewusstsein auf.

Uns als literarisch Interessierte sollte diese Unterscheidung nicht beschäftigen, uns sind Autoren aller Sprachen ebenbürtig. Deswegen ist die Frage berechtigt: Gilt William Shakespeare als der bekannteste Dichter der Weltliteratur? Oder ist es vielleicht doch Goethe oder ein anderer?

Shakespeares Geburtsdatum ist nicht nachweisbar; er wurde am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon in Warwickshire in England als das dritte von acht Kindern einer mittelständischen Familie getauft. Auch über seine Schulerziehung gibt es keine Angaben, wahrscheinlich besuchte er eine „Grammar School“, die eine solide Grundausbildung in Latein vermittelte.

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Was lesen Sie denn so?

Almute Möller
Im fünften und letzten Teil unserer Umfrage unter lesebegeisterten Personen in Namibia (siehe auch FG 13, 14, 15 und 16), habe ich mich an weitere Mitglieder unserer Felsgraffi ti-Redaktion gewandt. Auch sie mussten sich auf die gewohnten vier Fragen einstellen:

1) Welches Buch gehört zu Ihren absoluten Lieblingsbüchern (eines von denen für die einsame Insel …). Schildern Sie kurz die Handlung/den Inhalt, geben Sie Gründe für Ihre Wahl. Die Antworten der Beteiligten sind mit dem Kürzel IB (Inselbuch) versehen.

2) Gibt es für Sie einen Lieblingssatz oder ein bedeutsames Zitat aus diesem oder einem anderen Buch? (Kürzel ist LZ)

3) Welches sind die Top-Drei-Bücher, die ebenfalls auf Ihrem „Favoriten-Regal“ stehen? (LB steht für Lieblingsbücher)

4) Was steht auf Ihrer BWL (BücherWunschListe)? (Bitte nur drei Titel)

„Es ist mit dem Lesen wie mit jedem anderen Genusse: Er wird stets desto tiefer und nachhaltiger sein, je inniger und liebevoller wir uns ihm hingeben. Man muss seine Bücher als Freunde und Lieblinge behandeln, jedes in seiner Eigenart schätzen und nichts von ihm verlangen, was dieser Eigenart fremd ist.“ Mit diesem Zitat von Hermann Hesse aus Magie des Buches – Betrachtungen, danken wir allen, die sich die Zeit genommen haben, sich an unserer Umfrage zu beteiligen. Vielleicht hat einer der erwähnten Titel obendrein Ihr Interesse geweckt und haben Sie das Buch schon gelesen? Es würde uns freuen.

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Felsgraffiti Heft 22

Liebe Leserin, lieber Leser,

Eine Wasserkrise kommt eilenden Schrittes auf Windhoek zu, doch wie leben die Meisten? So, als gehe es sie nichts an, Andere sollen es richten, aus der Welt schaffen – denn wir selbst wollen weitermachen, so wie immer.

Es ist ein bisschen wie mit dem Tod, alle wissen, dass er irgendwann anklopfen wird, doch interessiert es uns wirklich? Leben wir so, als könnte er uns jeden Augenblick rufen? Wohl eher so, als ob wir träumen, dass die Medizin ihn bald aus dem Weg geräumt hätte – und wir so weitermachen können, wie immer. „Felsgraffiti Heft 22“ weiterlesen

Erinnerungen an Wecke & Voigts

Das Firmengeschäft Wecke & Voigts an der Kaiserstraße in Windhoek im Jahre 1909. Rechts neben dem Baum im Vordergrund ragt das alte Lager (Wholesale) heraus, rechts neben dem Baum im Mittelgrund das Wohnhaus von Gustav und Frida Voigts. Vor dem Kaiser-Wilhelmsberg die ehemalige Landespolizei (heute Susanne Grau-Heim); rechts davon die Villen der „Schieberallee“ (Bismarckstraße), wo die Windhoeker Prominenz ihren Wohnsitz hatte. Ganz im Hintergrund die „alte Werft“ (Eingeborenensiedlung).

Jeder Deutschsprachige in Namibia hat bereits bei Wecke & Voigts eingekauft oder von dort seine Waren bezogen. Wohl mehr als jedes andere Warenhaus ist dieses Familienunternehmen auch ein Stück der Kulturlandschaft Namibias. Der Lebenslauf des Pioniers und Firmengründers Gustav Voigts (1866-1934) ist anschaulich beschrieben in Hans Grimms „Das Deutsche Südwester Buch“ (Klosterhaus Verlag Lippoldsberg, 1970, S. 51-129). Details zur Firmengeschichte entnehmen wir Festschriften der Firma W&V zu runden Geburtstagen wie zum 75-jährigen Jubiläum (1967) und zum 100-jährigen Jubiläum (1992). Die Firma darf dieses Jahr (2016) bereits auf eine 124-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Eine für Namibia beachtliche Zeitspanne. Von diesem Standpunkt aus betrachtet sind die Erinnerungen eines jeden Zeitgenossen an einen Ausschnitt in diesem Zeitablauf gebunden. Es sei soviel gesagt, dass die Mutter des Verfassers dieser Zeilen von 1948 bis 1981 bei der Firma W&V angestellt war. Als sie Ende der 40er Jahre als junges Mädchen nach Windhoek kam, bewohnte sie eines der anmietbaren Außenzimmer, die noch von Frida Voigts (1875-1960), der Frau von Gustav Voigts, jungen Angestellten zur Verfügung gestellt wurden. Das Wohnhaus von Gustav und Frida Voigts befand sich auf dem Firmengelände, nach Westen hin. Es soll dort mitunter sehr unbeschwert und lustig zugegangen sein. Manche lebenslange Freundschaft wurde dort geschlossen und Junggesellen, die nach dem Weltkrieg allesamt das Leben in vollen Zügen genossen, besuchten dort ihre zukünftigen Lebenspartnerinnen. „Erinnerungen an Wecke & Voigts“ weiterlesen

Zu nah

Frank Schwardmann

Monoton brummt der Motor. Tankanzeige, Drehzahl, Kurs, Geschwindigkeit, Höhe – seine Augen gleiten über die Instrumente. Routine, alles wie es sein soll. Aber immer wieder geht der Blick zurück zum Höhenmesser. Er fliegt niedrig – sehr niedrig und sehr langsam. Er weiß, dass das gefährlich und auch nicht unbedingt erlaubt ist, aber er ist auf der Jagd. Da muss man schon mal ein Risiko eingehen. 350 Fuß über dem Busch. Zum Glück gibt es hier keine Hochspannungsleitungen. Es ist jetzt schon der dritte Tag hintereinander, dass er die endlose Buschsavanne abfliegt, in der nur hier und da einige große Akazien stehen. 300 Fuß – naja, gut. Er sucht seine Beute. Neben ihm auf dem Copilotensitz liegt die Hightech-Kamera mit Teleobjektiv. Er hat schon sehr viele Tierbilder geschossen, aber noch nie hat er es aus dem Flieger versucht. Das ist neu für ihn, ein anderer Winkel, eine neue Perspektive. Er hat diesen Auftrag angenommen, weil er von einem der großen Verlage kam. Die Konkurrenz ist groß, das Geschäft hart. Er braucht das spektakuläre Motiv, das ultimative Bild, die dramatische Szene, was ihm hoffentlich die lang ersehnte Anerkennung als Naturfotograph bringen wird. Tankanzeige, Drehzahl, Kurs, Geschwindigkeit, Höhe – nicht zu viel denken, nicht ablenken lassen. Schauen, beobachten – hier irgendwo müssen Tiere sein, die Beute, das Bild.

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Die Entscheidung

Petra Post

Leise öffnete Hanna die Tür. Ein Geruch nach Desinfektionsmitteln, gemischt mit einem leichten Blütenduft schlug ihr entgegen. Gladiolen, die ihre Mutter immer so geliebt hatte. Vor ein paar Tagen hatte sie ihr leuchtend rote mitgebracht. Ob sie die wohl noch wahrnahm?
Als Hanna sich dem Bett näherte, öffnete ihre Mutter die Augen. Dieser flehende Blick, der durch die tief liegenden Wangen noch eindringlicher wirkte. Wie lange würde sie es ertragen, ihm noch standzuhalten? Sie betrachtete das bleiche, gelbliche Gesicht, die knochigen Hände, den zum Skelett abgemagerten Körper, der sich unter der Bettdecke abzeichnete. Wo war die schöne, lebenslustige Frau geblieben? Die Frau, die auf jeder Hochzeit tanzte, die es liebte zu verreisen, neue Länder, fremde Kulturen zu entdecken. Die aus voller Kehle lachte, die gestikulierend, ohne Punkt und Komma redete, den Kopf in die Sonne reckte und sich einen Teufel darum scherte, ob sie Hautkrebs bekam. Das Energiebündel, das Hanna aus ihrer Kindheit und Jugend kannte? Geblieben war nur ihr Wille, das „nur“ war allerdings überflüssig.

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